Neuseeland #2 - Jetzt geht's richtig los
Meine Zeit zum Faulenzen in Auckland ist erst mal vorbei. Ich bin jetzt auf Waheike Island und arbeite ein wenig für meine Unterkunft und das Essen. Ich bin gespannt wie es weitergeht. Es ist auf jeden Fall spannend am Morgen auszustehen und keine Pläne zu haben.
Grüße
Michael
Tag 3: Mt. Eden - Der Vulkankrater mitten in der Stadt
Im Vergleich zu gestern war der Tag heute richtig schlecht. Der Jetlag am zweiten Tag ist schlimmer. Ich war den ganzen Tag einfach nur Müde und war dann auch schon um 8 wieder im Bett. Heute gab es keine besonderen Begegnungen und auch meine Pläne haben nicht geklappt. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen ein Bankkonto zu eröffnen und meine IRD (Die Steuernummer zum Arbeiten) zu beantragen. Bei der Bank habe ich dann aber erst mal nur einen Termin für Montag bekommen. Den Tag über habe ich dann vor allem mal angefangen zu schauen was ich eigentlich nach meiner ersten Woche machen will. Ich konnte mich dann dazu aufraffen drei Hosts auf HelpX anzuschreiben. (HelpX ist eine Plattform auf der Leute gegen ~4-6 Stunden Arbeit am Tag eine Unterkunft und Essen anbieten.)
Damit ich wenigstens etwas am Tag gemacht habe bin ich dann noch auf den Mt. Eden spaziert, der quasi direkt am Hostel liegt. Mt. Eden ist ein alter Vulkankrater mitten in der Stadt (einer von 48) und die höchste natürliche Erhebung in Auckland. Von dort hat man einen wunderbaren Blick auf die ganze Stadt. Da realisiert man erst mal wie groß Auckland eigentlich wirklich ist.
- Aussicht vom Mt. Eden
Nach dem kleinen Spaziergang habe ich dann auch das erste Mal meine kleine Reisetrompete ausgepackt. Dafür, dass die Trompete nur in einem Handtuch eingewickelt im Rucksack war ist es erstaunlich, dass nur eine kleine Delle im Trichter war.
Ich dachte eigentlich immer das in Neuseeland vor allem viele Deutsche Backpacker unterwegs sind. Hier im Hostel ist aber aktuell ein ganzes Nest an Franzosen. Gefühlt ungefähr die Hälfte aller Gäste. Da kann ich mal so richtig mit meinem großen Französisch Wortschatz glänzen :). „je m’appelle Michael“.
Tag 4: Memorial War Museum
Kaum hatte ich den Tag gestern zusammengeschrieben schon kommt eine Antwort auf HelpX. Ein paar SMS später stand fest: Ab Montag bin ich auf Waiheke Island. Eine Insel 35 Minuten mit der Fähre von Auckland entfernt. Wie lange ich da bin weiß ich noch nicht. Das wird sich dann wohl noch ergeben je nachdem wie ich mich anstelle. Das ganze ging jetzt doch schneller wie erwartet und ich muss das Hostel schon früher verlassen. Immerhin habe ich einen Gutschein für einen Teil der zu viel gezahlten Nächte bekommen.
Das Wetter heute war ein Typisches Museumswetter. Einer aus meinem Zimmer hat mir den Tipp gegeben, dass man im Memorial War Museum kostenlosen Eintritt bekommt wenn man in Auckland lebt. Eine Bestätigung dafür hab ich mir auch schon für die Bank geben lassen. Es hat sich wirklich gelohnt. Eines der besten Museen in denen ich bis jetzt war. Ich war mindestens 6 Stunden drinnen und hatte noch nicht alles angeschaut als dann plötzlich die Durchsage kam dass jetzt geschlossen wird. Die Zeit ist echt schnell vergangen.
Ein ganzes Stockwerk ist den Maori und anderen Pazifischen Bewohner gewidmet. Die Maorikunst ist schon sehr beindruckend. Besonders ins Auge gefallen ist mir eine Muscheltrompete. Es würde mich interessieren wie so etwas klingt.
Die nächste Interessante Ausstellung was über Vulkane und besonders die Vulkane in Neuseeland. Alleine in Auckland gibt es 48 Vulkankrater. Keine Sorge, alle werden gründlich überwacht und es besteht keine Gefahr. Gefährlicher ist da White Island – der aktivste Vulkan von Neuseeland. Die spannende Frage ist, warum baut man so eine Stadt ausgerechnet an eine Stelle wo so viele Vulkankrater sind. Die Antwort ist recht einfach. Die Erde ist sehr Fruchtbar und früher dienten die Erhebungen auch zur Verteidigung.
Das Highlight für mich war die Ausstellung über den ersten Weltkrieg. Ich hab noch nie eine so gute Ausstellung über den Krieg gesehen. Ich hatte eine richtig bedrückte Stimmung während dem durchlaufen und fand es sogar irgendwie nicht richtig Bilder zu machen. Überall finden sich Zitate von Neuseeländern aus dem Krieg die recht gut widerspiegeln wie es wohl für die Neuseeländer im Krieg gewesen sein musste. Gelungen fand ich auch die neutrale Darstellung aus Sicht der Neuseeländer. Es waren auch recht viele Deutsche Ausstellungsstücke vorhanden. Man hatte aber nie das Gefühl, dass die Darstellung speziell gegen die Deutschen oder andere ging. Sogar die kleine Ausstellung über den Holocaust war sehr neutral und trotzdem berührend. So richtig kann ich das gar nicht in Worte fassen. Man muss einfach mal selbst dagewesen sein. In der Memorial Hall und der Memorial Hallway sind auf Tafeln alle Gefallenen Neuseeländer in den Kriegen geschrieben. Ein echt bedrückendes Gefühl finde ich. Besonders eine Tafel ist mir aber ins Auge gesprungen. Diese war komplett leer bis auf einen Schriftzug. Ich erinnere mich nicht mehr an den Wortlaut aber der Inhalt war „Let’s hope that we never have to fill this space“. Eine echt gute Aussage. Die Ausstellung über den zweiten Weltkrieg habe ich dann nicht mehr in der Zeit geschafft. Auf jeden Fall noch mal ein Besuch wert und eine Empfehlung für jeden der Mal in Auckland ist.
- Eine Muscheltrompete
- In einem Maorihaus
Tag 5: Life NZ – A church to call home
Heute war mein erster Sonntag in Neuseeland. Und der gute Christ geht natürlich sonntags in die Kirche. Schon zu Hause hatte ich mich ein wenig über die Kirchen in Auckland und Neuseeland informiert. Als ich dann am ersten Tag an den Hafen gelaufen bin habe ich in der Nähe zum Hostel die Life Church gesehen. Die Kirche hatte ich schon zu Hause entdeckt und somit stand schon fest wohin ich sonntags gehe. Die erste Hürde war zu finden wo der Eingang zur Kirche ist. Nicht das große Gebäude an der Straße ist die Kirche, sondern ein noch mal so großes Gebäude im Hinterhof. Wenn man reinkommt erinnert es erst mal an große Kirchen die wir auch in Deutschland kennen (Gospel Forum o.Ä.). Ich war schon mal ganz gespannt was mich so erwartet. Als dann die Band anfängt kam die erste Überraschung. Zwei Leinwände am Rand der Bühne fahren hoch und es kommt ein kleiner Background Chor zum Vorschein. Der Lobpreis hat mir gut gefallen. Die meisten Lieder waren neu für mich. Wie es bei solchen Kirchen üblich ist wird am Anfang gefragt wer neu ist. Da habe ich mich dann auch mal getraut die Hand zu heben. Es gibt dann ein kleines Willkommenspaket mit einem Gutschein für Kaffee und eine Lobpreis CD. Man kommt dann auch gleich mit den Sitznachbarn ins Gespräch. Die Predigt war richtig gut. Es war ein sehr guter Prediger der weiß wie man etwas Vorträgt. Nach dem Gottesdienst bin ich dann noch im Kaffee in die Willkommensecke für neue. Dort wird man dann gleich freundlich empfangen, bekommt seinen Kaffee und kann sich ein wenig unterhalten. Zuerst habe ich mit einer Frau ein wenig geredet und danach mit Jin. Jin kommt aus Malaysia und hat dort Medizin studiert. Nachdem er dort 3 Jahre als Arzt gearbeitet hat ist er nach Neuseeland gekommen und Studiert jetzt an der Bibelschule der Life Church. Es war ein interessantes Gespräch. Er hat mir sogar seine Handynummer gegeben und angeboten, ich könnte Ihn wenn ich mal irgendwo feststecke einfach anrufen und er fährt mich.
Danach habe ich nicht viel gemacht. Es hat so stark geregnet dass ich nicht mal Lust hatte ins Museum zu gehen. Also habe ich die Zeit zum Entspannen und Schreiben genutzt. Es waren einige aus dem Hostel bei dem Wetter noch da und wir haben gemütlich Filme geschaut.
Am Abend war ich dann gleich noch mal im Gottesdienst. Dieses Mal konnte ich mich nicht so gut unter die Leute mischen und ich wurde schnell von jemand als Neuling erkannt. Das war aber auch ganz gut so. Er hatte mich dann gleich mit Leuten in meinem Alter bekannt gemacht. So konnte ich meine ersten Kontakte in Auckland knüpfen. Wenn ich später noch mal für ein paar Tage oder Wochen nach Auckland komme kann ich Kurt Bescheid geben und gleich mit in die verschieden Gruppen kommen.
Der Slogan der Kirche funktioniert auch in der Realität „A chruch to call home.“. Ich hab mich gleich wie zu Hause gefühlt.
- Life Church - Auckland
- Life Church - Auckland
- Life Church - Auckland
Tag 6: Auf nach Waheike Island
Der Tag hat erst mal mit Packen und auschecken angefangen. Ich hab echt zu viel Gepäck dabei. Da muss ich noch Optimieren. Dann waren die Bürokratischen Dinge dran. Zuerst hatte ich meinem Termin bei der Bank. Außer dass ich viel zu früh da war lief alles glatt und nach einer halben Stunde hatte ich mein Bankkonto und meine Karte. Danach ging es dann zur nächsten Post für die IRD – meine Steuernummer. Und überall wo Steuer drin vorkommt gibt es Probleme. Das gleiche wie auch in Deutschland. Dort wurde der Kontoauszug von meinem neuen Konto bemängelt weil keine Transaktionen zu sehen sind. Ist ja auch ganz neu das Konto. Also musste ich noch mal zurück zur Bank. Dort hat mir die Dame am Schalter dann im Endeffekt das gleiche noch mal auf kleineres Papier ausgedruckt. Zurück zur Post und an einen anderen Schalter – Alles ok. In ein paar Wochen müsste ich meine IRD per Mail erhalten.
Danach ging es los mit dem Bus an den Hafen. Dort habe ich dann knapp die erste Fähre verpasst. Alles halb so wild, denn das Wetter ist wieder richtig schön und ich konnte die Zeit gemütlich auf einer Parkbank verbringen. Mit der Fähre ging es dann los nach Waheike Island. Dort werde ich die nächste Zeit verbringen. Nach der Fähre ging es dann in den Bus. Die Landschaft die man während der Busfahrt gesehen hat war schon mal sehr Beeindruckend. Aber noch viel schöner war es als ich dann ausgestiegen bin am Ziel. Dort hat mich dann mein Host Craig schon von weitem Begrüßt.
- Auckland Skyline
Wir haben dann erst mal gemütlich einen Tee getrunken und ich konnte noch die andere HelpX Helferin kennen lernen. Und Überraschung - es ist schon wieder eine Französin. Aber diese mal sehr bemüht Englisch zu lernen. Das klappt auch schon ganz gut man kann sich viel besser mit Ihr unterhalten als mit den Franzosen im Hostel.
Ich hätte auch erst morgen mit Arbeiten anfangen können. Aber nach dem Motto: „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf Morgen“ habe ich dann gleich angefangen zu Arbeiten. Meine erste Arbeit war genau die richtige für meinen grünen Daumen. Ich durfte Pflanzen ausreisen.
In einer Hütte die zum Haus gehört wohnt noch ein junges Paar. Die beiden sind schon seit Jahren auf Reise und waren schon in allen möglichen Ländern. Jetzt seit einigen Jahren sind Sie in Neuseeland. Und seit einem Jahr auf Waheike Island. Die beiden haben ein richtig leckeres Abendessen zubereitet. Meine erste richtige Mahlzeit seit gefühlt einer Ewigkeit.
Ich bin gespannt was mich die nächsten Tage erwartet. Aber so schlecht kann es bei dem Ausblick gar nicht werden.
